.

.

Alles über den Leng (Molva molva): Lebensweise, Wachstum, spannende Fakten, Montagen, Köder, Sicherheit & norwegische Regeln – mit lokalem Bezug zu Vannøya/Troms.

Warum der Leng fasziniert

Es gibt Fische, die man einmal fängt und wieder vergisst. Und es gibt den Leng. Schlank wie ein Pfeil, kräftig wie ein Hydraulikzylinder, mit diesem kleinen Bartfaden unterm Kinn, der im Schein der Bordlampe schim

mert – ein Räuber aus der Tiefe, der die Geduld belohnt und die Nerven prüft. Hier bei uns rund um Vannøya, zwischen offenen Atlantikzonen und strömungsreichen Sunden, fühlt sich der Leng zu Hause. Wer ihn gezielt beangelt, merkt schnell: Das ist kein hektisches „Zack-zack“. Das ist Seemannschaft, Timing und sauberes Handwerk.

Der Leng (Molva molva) ist einer der längsten dorschartigen Fische Europas: ein schlanker, kraftvoller Räuber mit Bartfaden, marmorierter Flanke und beeindruckender Zugkraft aus der Tiefe. Wer ihn gezielt beangelt, braucht Ruhe, gutes Gerät – und Respekt vor den Bedingungen offshore. Wissenschaftlich betrachtet ist der Leng überwiegend ein einzelgängerischer, bodennaher Jäger, der Fische und Krebstiere frisst und sich bevorzugt an Hartgrund, Riffen, Kanten und Wracks aufhält. Häufig steht er in 100–400 m Wassertiefe. 

Der Fisch: Lebensweise, Jagd und Habitat

Der Leng ist ein bodennaher Jäger. Er mag Kanten, Rinnen, Felsplatten, Wracks und alles, was Struktur gibt. Dort lauert er – oft allein – und nimmt, was vorbeikommt: Köhler, 

Makrele, Plattfische, kleine Dorsche, dazu Krebstiere und hin und wieder Kopffüßer. Typisch sind Tiefen jenseits der hundert Meter, gerne bis in die Dreihunderter, je nach Tageslicht, Beutezug und Strömung. Das klingt unnahbar, ist es aber nicht: Wer die Topografie liest, die Drift versteht und sein Gerät beherrscht, kommt an den Fisch.

Spannend ist seine „Karriere“: Jungfische starten häufig überraschend küstennah und wandern dann mit den Jahren in die Tiefe. Weibchen wachsen schneller und werden größer als Männchen; die Art bringt es auf stattliche Längen weit über einen Meter – zweimetristige Ausnahmefische sind dokumentiert. Gelaicht wird im späten Winter bis Sommer; die Eier und winzigen Larven treiben pelagisch mit, weshalb die Art weite Bereiche des Nordatlantiks besiedelt. Das ist Biologie mit eingebautem Weitwurf.

Hier oben rund um Vannøya wächst der Leng erst im Turbogang und dann im Seemannstempo: Im ersten Jahr schießt er grob um die 20 cm nach vorn, nach zwei Jahren stehen etwa 35 cm, nach drei rund 55 cm und nach vier oft schon 80 cm plus auf der Messlatte; danach wird der Schritt kürzer und du kannst mit ungefähr 8–10 cm Zuwachs pro Jahr rechnen. 

Ich hatte jetzt erst die Frage, wie alt ein 1,20-Meter-Leng ist: Je nach Jahrgang, Futterlage und meist auch Geschlecht (die großen Damen sind oft die Sprinterinnen) liegt er praxisnah bei etwa 8–10 Jahren; konservativer gerechnet—und gerade in kühleren, tieferen Revieren—passt auch eine Spanne von 11–13 Jahren. Kurz gesagt: 120 cm ist kein Teenie mehr, sondern ein erwachsener Tiefseeräuber mit Geschichte.

Vannøya: Warum hier die Musik spielt

Vannøya liegt wie ein Bollwerk im Nordmeer. Westlich fällt der Schelf ab, östlich bündeln Sunde die Tide, nördlich öffnet sich die Bühne in Richtung Barentssee. Genau diese Mischung schafft Futterströme, Temperaturwechsel und Mikroreviere. Unsere Erfahrung: Wenn an den Abbruchkanten von etwa 120 auf 220 oder 250 Meter die Drift moderat zieht, geraten die Spots in Stimmung. Wracks und Blockfelder liefern dann den Trigger, den der Leng braucht – Schatten, Deckung, Anströmung.

Wir planen unsere Drifts so, dass wir oberhalb der Kante beginnen, Wind und Strom sauber übereinanderlegen und das Blei so wählen, dass die Schnur nicht senkrecht, aber auch nicht im rechten Winkel steht. Ein Winkel um die fünfzig Grad ist oft ein guter Arbeitsbereich: nah am Grund, aber noch steuerbar. Je ruhiger du die Montage führst, desto natürlicher wirkt der Köder. Hektik besorgt nur Hänger.

Wir angeln mit Seelachs- oder Lumpfetzen. Wobei ich persönlich lieber Lump nehme. Durch die robuste Haut fallen die Fetzen nicht ab. Nicht mal wenn man Leng fängt. Ihr könnt die Fetzen also immer wieder benutzen. 

Saison, Wetterfenster und Tagesrhythmus

Klassisch stark sind bei uns die Monate vom späten Frühling bis in den Spätsommer, wenn die See ruhiger wird, das Licht lange hält und die Köderfische wandern. Wir sprechen auf dem Boot weniger über „Uhrzeit“ als über „Fenster“: ein Gezeitenwechsel, ein nachlassender Wind, eine Strömung, die von „schwierig“ zu „führbar“ kippt. Genau diese Fenster nutzt du – und wenn sie sich öffnen, bist du besser schon fertig geriggt, statt noch am Knoten zu drehen.

Tackle, das trägt – und Montagen, die arbeiten

Für den Leng brauchst du kein Kriegsgerät, aber ehrliches Werkzeug. Eine verlässliche Multirolle mit guter Bremse, geflochtene Hauptschnur um ein Viertelmillimeter – und vorne ein abriebfestes Vorfach um die 1mm. Der Grund ist rau, also gönn ihm Material. Blei? So viel wie nötig, so wenig wie möglich. In der Praxis bewegen wir uns häufig zwischen 400 und 800 Gramm. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Führung.

Beim Köder hast du die Wahl – und wir lieben sie alle. Große Shads fischen wir gerne zum Suchen; sie bringen Kontakt und verraten, wo die Bühne ist. Für den gezielten Leng ist Naturköder oft König: halbe Makrelen, saubere Filets vom Köhler, Blue-Whiting-Bündel, dezent garniert mit einem kleinen Leuchtelement als „Ich bin lebendig“-Signal. Der Haken darf Circle heißen – 8/0 bis 12/0 ist eine vernünftige Welt –, denn der Leng nimmt entschlossen, dreht und hakt sich bei ruhiger Rutenführung oft sauber im Maulwinkel. Eine Gleitmontage mit Ausleger-Boom hält die Sache entwirrt, ein „Rotten-Bottom“ (Sollbruchstelle nur fürs Blei) spart Tränen am Fels. Wer große Köder nutzt, kann mit einem kleinen „Dongle“ arbeiten, damit der Haken frei bleibt. Das klingt nerdig, funktioniert aber schlicht.

Ich persönlich angel die normale Heilbuttmontage. Nierenblei und 1.5m Mono mit Circle Hook. Der ganze Virlefans der Montage nervt mich nur wenn er wieder entwirrt werden muss… 😀

Führen, fühlen, haken

Lengangeln ist Tastsinn. Wir senken kontrolliert ab, parken den Köder knapp über Grund, nehmen die Bodenwellen mit wie ein Lift – sachte rauf, sachte runter. Der Biss ist oft kein Donnerhall, sondern Druck: Das Blei wird leichter, die Spitze wird schwerer. Jetzt nicht rucken, sondern kurbeln, Druck aufbauen, den Circle arbeiten lassen. Im Drill pumpt man ruhig, ohne peitschende Bewegungen. Auf den letzten zwanzig Metern kommen die typischen Druckspitzen; bleib wach. Oben an der Bordwand gilt die alte Regel: Gaff nur, wenn du entnehmen willst. Ansonsten greif mit Handschuh und Routine.

Ohne Circle Hook ist die Sache etwas komplizierter. Da muss man beherzt anschlagen. 

Rechtliches – kurz, klar, aktuell halten

Für den Leng (Molva molva) gilt bei uns in Norwegen: kein festes Mindestmaß und keine Schonzeit für die Freizeitfischerei – sprich, du darfst den Fisch ganzjährig beangeln, solange du die allgemeinen Regeln (Handgerät, Melde- und Exportvorgaben, Sicherheitsabstände etc.) einhältst. Das deckt sich mit der offiziellen Übersicht zu Mindestmaßen, in der der Leng gar nicht erst als artgebundenes Ziel aufgeführt ist, sowie mit der Liste der geschützten bzw. teilweise geschützten Arten, auf der der Leng nicht erscheint; zusammen bedeutet das: keine saisonale Sperre, kein Längenlimit für den Eigenbedarf. 

Stand: 27. August 2025; verifiziert beim Fiskeridirektoratet.

Küche: Vom Bordbrett auf den Teller

Küche: vom Bordbrett in die Pfanne – zwei Rezepte, die nach Meer schmecken

Leng ist ein Kochfreund: festes, saftiges Fleisch, milder Eigengeschmack, null Zicken in der Pfanne. Wir behandeln ihn wie einen höflichen Gast – sauber ausbluten, eiskalt lagern, filetieren ohne Hektik. Bevor er Hitze sieht, bekommt er bei uns eine kurze Trocken-Salzung: ein Hauch Meersalz, grob gerechnet anderthalb bis zwei Prozent vom Filetgewicht, zwanzig bis dreißig Minuten Ruhe auf dem Gitter, dann gründlich abtupfen. Das strafft die Textur, bringt den Eigengeschmack nach vorn und sorgt dafür, dass die Oberfläche in der Pfanne sofort “Hallo” sagt. Hitze fahren wir nordisch – lieber moderat als brachial – und ziehen den Fisch nur bis glasig durch: In der Pfanne anrösten, dann im Ofen sanft fertig, sodass das Filet bei Druck noch leicht nachgibt und der Saft klar bleibt.

Für vier Personen machen wir an ruhigen Abenden gern unseren Ofen-Leng mit brauner Butter, Fenchel und Zitrone. Zwei dicke Mittelstücke, je rund 180–220 Gramm, nach der kurzen Trocken-Salzung in etwas neutralem Öl in die heiße Pfanne legen, genau so lange, bis die Unterseite gold wird und sich der Fisch ohne Widerstand löst. Parallel schieben wir feine Fenchelscheiben, etwas Lauch und ein paar Zitronenzesten mit einem Schluck Weißwein und einem Klecks Butter in eine ofenfeste Form; darauf betten wir den angebratenen Leng und lassen ihn im Ofen bei rund 120–140 °C sanft ankommen, bis er eben nicht mehr glasig wirkt, sondern nur noch schimmernd saftig ist. In der Zeit bräunen wir in einem kleinen Topf Butter, bis sie nussig riecht, und rühren eine Handvoll gehackten Dill, ein paar Spritzer Zitrone und – wenn verfügbar – etwas fein gehackten, gewässerten Seetang unter. Damit glasieren wir den Fisch erst am Tisch. Dazu passt grobes Kartoffelpüree mit Schnittlauch oder ein Roggen-Crunch: altes Roggenbrot in Krümel reiben, in der Restbutter kurz rösten, leicht salzen, fertig.

Wenn das Wetter nach Suppe ruft, wird es eine Vannøya-Fisksuppe mit Leng, die nach Meer und nicht nach Kantine schmeckt. Aus Kopf und Gräten des Fisches kochen wir einen klaren Fond: erst die Knochen im Ofen anrösten, dann mit kaltem Wasser ansetzen, Fenchelgrün, etwas Lauch, ein Lorbeerblatt, Pfefferkörner, eine halbe Zitrone und ein Schuss Weißwein dazu, einmal aufwallen lassen, danach nur noch ziehen – dreißig bis vierzig Minuten reichen. Abseihen, erneut aufsetzen, einen Schluck Sahne oder Crème fraîche einrühren (wir mögen’s eher seidig als schwer), mit Salz abschmecken und mit ein paar Safranfäden oder einer Messerspitze Kurkuma dezent wärmen. Jetzt kommen die mundgroßen Lengwürfel in den Topf – keine fünf Minuten, eher drei, damit sie saftig bleiben. Wer mag, gibt in den letzten neunzig Sekunden noch ein paar Nordsee-Garnelen oder kleine Muschelherzen dazu – meine poersönliche Überzeugung ist, dass man fünf verschiedene Fischarten in der Suppen haben sollte. Also noch Dorschbäckchen und Lachs dazu. Am Ende frische Kräuter – Dill, Schnittlauch, eine Spur Estragon – und ein Spritzer Zitrone. Brot dazu, Stille im Raum, und dieses zufriedene Nicken, wenn der Löffel den Teller berührt.

Für alle, die gern auf Vorrat arbeiten, vakuumieren wir große Filetblöcke in Kochbeuteln, etikettieren mit Fangdatum und Schnitt (Rücken/ Bauch), und frieren flach liegend ein – so tauen die Stücke schneller und gleichmäßiger auf. Reste werden nie zur Pflicht: Aus Abschnitten entstehen Fischküchlein – fein gehackt mit Salz verrührt, ein Schluck kalte Milch, ein Hauch Stärke, weißer Pfeffer und Muskat, dann zu weichen Frikadellen geformt und in Butterschmalz goldgelb ausgebacken. Remoulade dazu? Gern – aber dezent, damit der Fisch spricht. Unser Prinzip bleibt: Wir entnehmen nur, was wir wirklich essen; wir kochen so, dass man den Atlantik im Mund hat; und wir servieren den Leng mit dem Respekt, den er im Drill verdient hat.

Kleine Wunderkunde: Kuriose Fakten

Der Leng ist ein Sprinter mit Langstrecken-Genen. Aus winzigen, frei treibenden Eiern und Larven wird ein Räuber, der in Felsschatten reglos wie eine Skulptur liegen kann, um im nächsten Moment zuzupacken. Weibchen überholen die Männchen im Wachstum, und wirklich große Fische sind fast immer Damen. Die Art zeigt, wie clever Evolution Strukturen nutzt: Wer Fels und Strömung lesen kann, liest den Leng. Und wer ihn ernst nimmt, bekommt genau das zurück, wofür wir ans Meer fahren: ehrliche Drills, klare Entscheidungen, ein gutes Gefühl.

Wenn du den Leng auf Vannøya erleben willst, bringen wir dich dorthin, wo Topografie, Strömung und Timing zusammenfinden. Wir bereiten die Montagen vor, planen die Drifts, achten auf Sicherheit und Regeln – und teilen das, was man nicht googeln kann: Gefühl für Fenster, Respekt für den Fisch und ein bisschen verliebte Hartnäckigkeit. Das Meer macht den Takt. Wir helfen dir, im richtigen Moment einzusteigen.

 

One Response

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *